NATIONALISMEN bestimmen unseren Weg

Kurzzusammenfassung zum Symposium - Themenschwerpunkt Nationalismen


Dr. Werner Drobesch



Der Begriff „Nationalismus“ thematisiert eine Weltanschauung, die spätestens seit der Französischen Revolution für mehr als zwei Jahrhunderte lang bis in die Gegenwart auf die Politik und – einmal stärker, ein andermal weniger stark – auf die Massen wirkt(e). Heute durchdringt ein populistischer, identitärer Nationalismus das globale System. Mit dem Brexit und der Wahl von Boris Johnson, mit der Wahl eines Donald Trump in den USA und seiner Programmatik des "America first!" oder mit der Wahl Viktor Orbáns in Ungarn sowie dem Wählerzulauf zu rechtsextremen Parteien (etwa die AfD in Deutschland oder den Front nationale in Frankreich) scheint das Denken in nationalen Kategorien im Vormarsch zu sein. Wie in seinen Hochphasen operiert er mit überzogenen Freiheitsversprechen, basiert er doch auf dem Versprechen der Schaffung einer national homogenen Gemeinschaft, die von jeglicher Fremdbestimmung befreit ist. Die Nationsbildung ist undenkbar ohne Außenfeinde, über die sie sich definiert und gegen die sie sich organisiert. Aus dieser Feindbildung generiert der Nationalismus seine Narrative zur ideologischen Unterfütterung. Hierbei handelt es sich um die einheitliche Sprache, die gemeinsame Geschichte und das gemeinsame kulturelle Erbe. Wirksam wird er dort, wo die Mobilmachung gegen „die anderen“ gelingt. Und die nationale Rhetorik funktioniert. Man denke an die katalonische Seperationsbewegung in Spanien, an Belgien mit dem Antagonismus zwischen Flamen und Wallonen, an das Vereinigte Königreich und die Bestrebungen Schottlands, sich von diesem zu lösen. Hier wie dort wirkt das Denken in nationalen Kategorien bis auf die Mikroebene. Zu fragen ist, inwieweit dieses Denken in nationalen Kategorien auch in anderen europäischen Regionen sowie in unseren unmittelbaren Lebensraum noch lebensalltagsbestimmend hineinwirkt. Wie auch immer: Mit der Dynamik des ungeliebten Konzepts „Nation“ ist weiterhin zu rechnen.



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